Auf dem Kystriksveien, oder einfach Rv 17

Unter dem Namen Kystriksveien wird die Straße gut vermarktet, sie ist aber auch wirklich lohnenswert. 650 km sind es von Steinkjer im Süden bis Bodö im Norden, unterbrochen von sechs Fährfahrten, die das Unternehmen abwechslungsreich, aber nicht gerade billig machen, wenn man mit einem Womo über 6m Länge unterwegs ist.

Außerdem kann man noch auf etliche Inseln übersetzen,  man könnte sogar ein Stück mit der Hurtigrute fahren, die sich hier zwischen den Inseln durchschlängelt. Wir haben uns viel Zeit gelassen, eigentlich warten wir immer noch auf das gute Wetter, auf den zahlreichen Prospektfotos ist immer blauer Himmel, grrr. Wieder sehen wir die markante Bergkette sju söstra,die sieben Schwestern,  nicht. Also fahren wir weiter, an Brønnøysund vorbei zur nächsten Fähre. Bei der Kirche, in der Petter Dass gewirkt hat, machen wir eine ausgiebige Pause und schauen uns alles an. Ich war ja dort schon vor drei Jahren. Das neue Museumsgebäude ist sehr beeindruckend, zwischen Felsen eingekeilt, die wunderbar glatt geschliffen sind.

Weiter gehts nach Sandnessjsøen, aber weil es regnet, fahren wir gleich weiter. Kurz vor der großen Helgelandbrücke steht die Skulptur „Windspiel“, jetzt wissen wir, dass heute der  Affricus kräftig weht.

Wenig später verlassen wir die Hauptstrasse, um einen ruhigen Übernachtungsplatz zu suchen. Wir  fahren auf einer ganz kleinen Straße bis zum Ende auf der Suche nach einem CP, vergeblich. Ich überrede Erich an einem kleinen Hafen zu bleiben, er hat etwas Skrupel, aber wir bleiben. Und so stehen wir mal wieder direkt am Wasser. Die Wolken reichen fast bis zum Wasser hinunter, der Wind weht kräftig, aber es regnet nicht mehr. Mehrmals kommen noch Autos, die Bootbesitzer schauen nach ihren Booten. Wir haben eine ruhige Nacht dort verbracht.

Dreimal durften wir am nächsten Tag übersetzen. Die Fähren sind einigermaßen aufeinander abgestimmt, sodass die Wartezeiten sich in Grenzen halten.  Die zweite Fähre dauert fast eine Stunde und überquert den Polarkreis. Endlich war auch mal das Wetter vorbildlich. Alle Wolken lösten sich auf, man konnte die Berge sehen! Ich hatte sie mir gar nicht so hoch und schroff vorgestellt,  und welche Farben!

Die Straße steigt bis auf 350m Höhe, ganz tolle Aussicht. Hier ist dann schon fast die Baumgrenze erreicht!

Wir sind noch zum uns bekannten CP Åmnes, natürlich auf einer Insel sehr weit draußen gelegen, gefahren, denn heute gibt es definitiv Mitternachtssonne, die erste in meinem Leben! Es ist zwar immer noch sehr kalt,  aber an diesem  Abend konnten wir endlich mal draußen essen.

Um kurz vor 12 Uhr sind wir  auf einen kleinen Hügel gestiegen,  um über die Felsenkette hinüber schauen zu können. Keine Wolke am Himmel! Die Sonne sank langsam immer tiefer, aber sie berührte nicht den Horizont bzw. die Wasserlinie. Und dann stieg sie wieder auf, krass!

Die ganze Zeit ist es taghell, man will gar nicht ins Bett. Erstaunlicherweise gab es weder Abend-noch Morgenrot, die Fotos sind deshalb nicht so dramatisch, als wenn die Sonne im Meer versinkt. Wir sind dann erst nach 2 Uhr ins Bett gegangen, mussten uns erst einmal aufwärmen.

Trotzdem bin ich sehr früh aufgewacht…die Sonne! Und dann habe ich das Hurtigrutenschiff, welches jeden Morgen direkt hier vorbei fährt, fotografiert, heute die Vesterålen und die Midnatssol. Sie sollten sich hier eigentlich treffen, aber sie waren nicht pünktlich.

Am Vorabend des 24.Juni wird in Norwegen das Johannesfest gefeiert, überall werden große Feuer angezündet. Auch auf unserem CP wurde den ganzen Tag gearbeitet, um am Strand einen riesigen Scheiterhaufen aufzubauen. Doch wie schnell brannte es runter…

Mit dem guten Wetter war es dann auch schon wieder vorbei, das vertraute Geräusch des Regens auf dem Dach…Wir bleiben einige Tage in Åmnes, denn diesmal wollen wir unbedingt zum Svartisen Gletscher, und da soll  das Wetter schon etwas besser sein. Die Tage verstreichen mit Einkaufen, immerhin erst einmal 11km mit dem Rad fahren, Wäsche waschen, kleinen Wanderungen.

In meiner Karte finde ich einen kleinen See, mitten in der Insel, auf 260m Höhe, da müsste man doch hinkommen . Wir ziehen uns wasserdicht an und laufen los. Nach 1,5 km, am Ende des Fahrwegs, ist der See sogar ausgeschildert. Sofort geht es aufwärts,  der Weg ist sehr matschig, kann ja auch nicht anders sein nach dem vielen Regen der letzten Tage. Zunächst geht es durch niedrigen Birkenwald, weiter oben über eine Art kleiner Alm. Nach einer Stunde haben wir den See erreicht, schön und einladend  liegt er da, umgeben von einer grünen Wiese, ideal für ein Picknick, die zackigen Bergspitzen zum Greifen nahe. Ja, träum weiter… ein heftiger Wind lässt uns frösteln, die Wolken beginnen etwa 50m höher und von den Bergen ist nichts zu sehen. Aber wozu ist dieser Briefkasten da? Leer, kein Gästebuch.

Wir genehmigen uns ein paar Kekse und machen uns anschließend  an den Abstieg, vorsichtig, die Steine sind rutschig.  Zuhause müssen wir uns erst einmal komplett umziehen, wir sind auch von innen nass. Aber schön war es trotzdem! Jederzeit wieder. ..

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