Côte du Léon und Côte des Abers

16.-23.Oktober 2022

Und immer weiter geht es nach Westen.

In Morlaix, ein kleines Städtchen etwas landeinwärts, machen wir einen Stopp. Der Womo-PP scheint in einer nicht so tollen Gegend zu sein, es hängen ziemlich viele Typen herum. Nicht so vertrauenswürdig. Da es schon wieder regnet und wir uns nicht lange in der Stadt aufhalten wollen, gehen wir nacheinander los. Interessant ist der riesige Eisenbahnviadukt aus dem 19. Jhdt., der mitten durch die Stadt verläuft, über 50 m hoch, zwei Bogenreihen übereinander.

Die Stadt liegt an einem Fluss, viele Segelboote liegen hier wohl im Winterquartier. Könnte bei schönem Wetter sehr nett sein.
Wir fahren bald weiter. An der Küste haben wir uns einen CampingCarPark ausgesucht, wegen Strom und Internet. Er liegt sehr schön, nur durch einen Dünengürtel vom Meer getrennt, aber total in der Pampa. Und es stürmt und regnet, so schlecht war das Wetter bisher noch gar nie. Dabei könnte man am herrlichen Strand wunderbar baden.

Doch am nächsten Morgen  sieht die Welt ganz anders aus, typisch Bretagne.. Zwar sind noch nicht alle Wolken weg, aber die Sonne wird es schaffen, immer mehr blauer Himmel setzt sich durch. Nach dem Frühstück schaue ich mal aufs Meer…

Ich kann es nicht lassen, ich hole meinen Badeanzug und stürze mich ins Meer. Die ersten 50 Züge sind heftig, Durchhalten ist die Devise. Dann habe ich mich gewöhnt und nach 100 Zügen will ich nicht mehr raus. Nach 200 Zügen siegt die Vernunft und ich beende mein Bad schweren Herzens, was für ein Erlebnis! Der Strand ist aber auch mal wieder vom Feinsten, weicher Sand und keine Steine.
Natürlich fahren wir nicht weiter! Gegen Mittag machen wir einen langen Spaziergang auf den GR34, der uns gerade allzeit begleitet. Wir laufen bis zu einem Zöllnerhäuschen aus dem 18.Jhdt., dann auf dem Strand, jetzt bei Ebbe, zurück.

Gegen Abend fahre ich noch mit dem Rad ins 5km entfernte Cléder zum Super U, wir brauchen dringend Brot.
Ich hätte nicht gedacht, dass es noch so mild im Oktober sein würde. Bis zum Sonnenuntergang sitzen wir draußen und auch später müssen wir nicht heizen, gut so!

Saint-Pol-de-Léon

Die Räder wollen mal wieder bewegt werden. Wir bemühen uns „früh“ los zu kommen, denn wir wollen heute wie die Franzosen um 12.30 Uhr irgendwo essen gehen. Komoot hat uns eine Route in die Stadt gezeigt, fast immer auf kleinsten Straßen/Feldwegen.. Wir finden ein uriges Restaurant in der Altstadt und probieren das Tagesmenü, nicht schlecht, aber auch nichts Besonderes.

Saint-Pol-de-Léon

Anschließend schauen wir uns die riesige Kathedrale an, natürlich gotisch.

Schon erstaunlich, dass ein Ort mit knapp 10000 Einwohnern so eine riesige Kirche hat. Aber die Stadt war früher Bischofssitz, das erklärt es. Eine kleine Besonderheit: in einer Nische werden die Schädel von 35 Persönlichkeiten der Stadt aus verschiedenen Jahrhunderten in kleinen Kästchen mit Fenstern ausgestellt, makaber.

Eine weitere Kirche, Notre-Dame de Kreisker, fällt durch ihren außerordentlich hohen Kirchturm auf, dem höchsten in der Bretagne.Sogar Vauban, bekanntester Baumeister unter Ludwig XIV., beurteilte ihn als das „gewagteste Gebäude, das er je gesehen hat“. Im Sommer kann man ihn besteigen.
Wir treten die Rückfahrt an und finden dieses Mal eine viel schönere Strecke. Es ist sehr warm geworden inzwischen und so stürze ich mich bei der Rückkehr noch in die Fluten des Atlantiks. Noch ist Wasser da, zwei Stunden später ist Ebbe.

20 OKTOBER 2022

An der Küste weiter gen Westen

Wir tuckeln weiter auf sehr kleinen Straßen an der Küste entlang, nicht immer direkt am Wasser, aber häufig gibt es schöne Ausblicke. Und das Wetter bleibt super, keine Wolke und blitzeblauer Himmel, und immer noch recht warm. Nördlich von Plouguerneau machen wir eine längere Pause und umrunden eine kleine Halbinsel auf dem Wanderweg GR34 bis zur Kapelle Saint-Michel (natürlich geschlossen).

Da wir die Sonne noch eine wenig genießen wollen, fahren wir bald einen kleinen CP an in der Nähe des Leuchtturms auf der l’Ile de Vierge, immerhin des höchsten Leuchtturmes Europas! Im Sommer kann man auf die Insel fahren und die 400 Stufen hinauf steigen, jetzt leider nicht. Aber der kleine CP entschädigt, denn heute haben wir mal wieder direkten Meerblick aus dem Fenster. Und morgen soll es Sturm geben…

Wetterumschwung: Sturm und Regen

Unvorstellbar, dieser heftige Wetterwechsel. Bereits in der Nacht beginnt es zu stürmen. Das Womo wird ordentlich durchgeschaukelt, dazu prasselt der Regen aufs Dach, ruhig schlafen geht anders. Den heutigen Plan, die Küste weiter zu entdecken, können wir komplett aufgeben. Selbst den großen Leuchtturm kann man kaum sehen. Gegen Mittag fahren wir los, einziger Punkt heute: Einkaufen bei Lidl, das geht auch im Regen (besser als bei schönstem Wetter).  Bei dem Wetter muss man keine Sightseeingtour machen, deshalb sind wir direkt nach Portsall auf den  SP gefahren, immerhin direkt am Meer. Essen, schlafen, lesen. Erst gegen Abend bin ich über den Strand nach Portsall gelaufen.

Hier vor der Küste ereignete sich 1978 das größte Tankerunglück, bei dem große Teile der Küste schwer verunreinigt wurden. Der Anker des Öltankers liegt am Ende des Hafens. Hier gibt es auch eine ansprechende Dokumentation des Unglücks.

Es ist nicht das einzige Schiff, das hier im äußersten Nordwesten der Bretagne den vielen Felsen und Untiefen zum Opfer gefallen ist. Man spricht sogar von der „Küste der Schiffbrüchigen“. Die großen Schiffe müssen heute sehr weit draußen vorbei fahren.

22 OKTOBER 2022

Radtour nach St-Palu

Und wieder hat der Wettergott ein Einsehen, wir holen die Fahrräder heraus. Gegen Mittag ist die Regenfront durch und wir können  losfahren. Auf kleinen Straßen fahren wir nach Osten, immer fast direkt am Wasser. Eine wunderbare Gegend, und touristisch wenig erschlossen Die Strände sind toll, aber noch beeindruckender ist die Dünenlandschaft. Sie ist hier wenig zugebaut und ökologisch noch ziemlich intakt. Mehrmals fahren wir kurze Stichwege ans Meer, wandern wäre hier auch toll (aber mein Knie), der GR34 ist wieder allgegenwärtig.

Nach etwa 10km kommen wir nach St-Palu, ein kleiner Küstenort am L’Aber-Benoit. Diese „Abers“, die auch der Küste hier ihren Namen gegeben haben, sind fjordartige Meereseinschnitte, die sich als geschützte Naturhäfen seit Jahrhunderten für die Seefahrer bewähren. Heute liegen hier überwiegend Freizeitboote zum Angeln, aber es gibt auch eine Kaimauer für größere Fischerboote.

Der Meeresarm zieht sich etwa 8km ins Land hinein, umgeben von hügeligen Wiesen und Feldern.
Viel Tourismus ist hier nicht, aber wir finden immerhin eine kleine Bar, die sogar geöffnet hat, leThalasso. Wenigsten ein Café au lait.

Der Rückweg geht flott, und kaum sind wir im Womo regnet es auch schon wieder. Abends gehen wir noch nach Portsall zum Essen. Der Reiseführer lobt das Café-Glenn, wir können das nicht bestätigen. Unsere Fish and Chips waren eher…naja. Und der Rückweg muss im Dunkeln stattfinden, denn um Punkt 8 Uhr wurden sämtliche Straßenlaternen ausgeschaltet, gewöhnungsbedürftig.

Und wieder einmal ist der Wäschesack voll. Diesmal fahren wir auf einen noch geöffneten ACSI-Platz in der Nähe von Saint-Renan. Dabei haben wir das Vergnügen direkt neben einem Freizeitpark zu stehen, zum Glück ist Nachsaison. Wir haben viel zu tun: 2 Maschinen Wäsche und Trocknen, Duschen, Kochen, Betten neu beziehen etc. Und immer wieder regnet es heftigst, dazu stürmt es auch noch. Ich glaube, unsere Tage in der Bretagne sind gezählt. Aber vorher wollen wir auf jeden Fall noch zum westlichsten Punkt, aber davon später.

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Côte de Granit Rose

Sonntag, 9.Oktober

Es geht weiter an der Nordküste der Bretagne, wir wollen zur Côte de Granit Rose. Dieser Küstenabschnitt ist wegen der bizarren rosafarbenen Felsformationen sehr sehenswert. Der Granit bildete sich vor etwa 300 Millionen Jahren und wurde im Laufe der Zeit durch Erosion frei gelegt. Ebbe und Flut halfen bei der Gestaltung der Felsformationen, immerhin beträgt hier der Tidenhub noch bis zu 12m.

Aber vorher müssen wir ein paar Probleme lösen. Beim Start leuchtet die Ölwarnlampe. Erich will Öl nachfüllen, bekommt aber den Deckel des Öleinfüllstutzens nicht auf. Und zum Bäcker sollten wir auch noch vor 12 Uhr. Wir fahren erst mal los, und siehe da, die Kontrolllampe erlischt. Der anvisierte Bäcker hat leider Urlaub, Pech. Aber unterwegs finden wir noch einen, bei dem wir das letzte Brot ergattern. Die anvisierten Zwischenziele lassen wir ausfallen, ich bin etwas genervt. Stattdessen fahren wir auf der Schnellstrasse an St.-Brieuc vorbei, auch Ecqui, das Zentrum für den Jakobsmuschelfang, lassen wir aus. Dafür steuern wir einen Strandplatz an. Der erste ist ein Flopp, aber der zweite ein Voltreffer, Palus Plage. Ein Parkplatz für Womos, kostenlos und über Nacht erlaubt. Es ist inzwischen 15 Uhr, wir essen etwas und machen anschließend einen kleinen Gang. Heute am Sonntag sind viele Leute unterwegs. Der Strand ist phantastisch, es ist gerade Ebbe und so sieht man wie weit der Sandstrand reicht. Später gegen Abend bei Flut ist der ganze Strand unter Wasser. So ist es doch noch ein ganz schöner Tag geworden.

Und am Abend bestaunen wir den Vollmond.

10 OKTOBER 2022, 17:51

Am nächsten Morgen hat sich das schöne Wetter verabschiedet und es nieselt. Aber das Meer ist spiegelglatt! Obwohl es nicht sehr warm ist, reizt es mich ungemein ins Wasser zu gehen und so nehme ich heute mein erstes Bad in der Bretagne. Wassertemperatur geschätzt 17-18 Grad, ich muss mich überwinden. Aber ich schaffe immerhin gut 100 Schwimmzüge, eine tolle Erfahrung!

Bei der Weiterfahrt kommen wir an der Ruine der Abbaye de Beauport vorbei, die man leider erst ab 14 Uhr besichtigen kann, Nachsaison halt. Die Ursprünge der Abtei stammen aus dem 13.Jhdt., seit Ende des 18.Jhdts. verfällt sie. Der Anblick von außen inmitten grüner Landschaft ist aber sehr malerisch.

I|

Wir peilen den Stellplatz in Paimpol an, ein Städtchen mit einem ehemaligen Hochseefischereihafen, heute ein beliebter Urlaubsort. Eine hübsche Altstadt und eine im Sommer sicher quirlige Hafenmeile mit vielen Restaurants und Cafés.

Der SP ist nicht gerade der tollste, er liegt direkt an der Bahnlinie. Wir bleiben trotzdem, für 6.80 € incl. EL kann man nicht meckern. Und am Abend kommt sogar noch die Sonne heraus.

Dafür werden wir am nächsten Tag früh geweckt. Auf dem Gleis neben uns wird der Zug gestartet und offenbar erst einmal aufgeheizt. Das dauert mehr als 30 Minuten!

Blick aus der „Haustür“ auf die Gleise

Das Wetter ist super, CP oder weiter zur Felsküste Granit Rose? Wir entscheiden uns für die Vernunft, denn wir müssen endlich mal Wäsche waschen. Also fahren wir zum 6km entfernten CP L’Arcouest auf einer Landspitze. Eine gute Entscheidung. Vom Platz aus haben wir eine wunderschöne Aussicht direkt aufs Meer mit vielen Inseln und Inselchen. Auch das Waschen klappt einigermaßen gut.

Und plötzlich fällt mir auf, dass mein Fotoapparat nicht mehr da ist. Grübel…ich habe ihn gestern im Café am Stuhl hängen lassen. Sehr besorgt fahre ich sofort mit dem Fahrrad zurück nach Paimpol…und ich habe Glück., der Fotoapparat wurde abgegeben und ich konnte ihn vom supernetten Kellner in Empfang nehmen. Große Erleichterung! So bin ich heute noch zu einer Radtour gekommen.

Mit ausdrücklicher Genehmigung…

Am Abend fahren wir noch mit den Rädern zum Fähranleger hinunter. Von hier kann man zur gegenüber liegenden autofreien Insel Ile-de-Bréhat fahren, und gerade kommt eine Fähre an. Es ist Flut und wir staunen wie schnell das Wasser ansteigt.

Blick zur Ile-de-Bréhat

Mittwoch, 12.Oktober

Côte de Granit Rose, zum nördlichsten Punkt

Heute werde ich einen Höhepunkt erleben, auf den ich mich schon lange gefreut habe. Gerne hätte ich eine längere Wanderung auf dem GR 34 gemacht, aber auch dieser kurze Spaziergang (mein Knie!) war überwältigend.
An Tréguier vorbei -es war gerade Markt- fahren wir auf eine Halbinsel bis zur nördlichsten Spitze, zu Fuß dann weiter zum Aussichtspunkt Le Gouffre, der Schlund, vorbei an dem berühmten Haus zwischen den Felsen (welches nicht fotografiert werden darf, da privat) In dem Felsenschlund brodelt und gurgelt das Wasser, heute allerdings nicht, das Meer ist ruhig wie selten.

Faszinierend ist aber das Felsenmeer aus riesigen Granitblöcken, die wohl bei bestimmten Lichtverhältnissen rosafarben sind und der Küste ihren Namen gegeben haben.

Diese Felslandschaft setzt sich im Wasser fort, unendlich viele Inseln und Inselchen bis zum Horizont. Wir laufen weiter bis zum Pointe du Chateau, dem nördlichsten Punkt der Bretagne. Auch hier wieder der Blick auf einen Inselteppich auf blauem Untergrund, wahnsinnig.


Zurück am Womo vespern wir eine Kleinigkeit und fahren dann weiter, immer auf sehr schmalen Straßen nahe an der Küste. In der Bucht von Trestel fahren wir auf einen CCP- Stellplatz und am Abend gibt es noch eine Pizza.

13 OKTOBER

Perros-Guirec

Morgens ganz feiner Nieselregen, wie er an der Küste häufig ist. Aber er hört bald auf und wir fahren nach Perros-Guirec, einer der etwas größeren Küstenorte. Ein Parkplatz ist schnell gefunden dank Nachsaison. Wir laufen in die höher gelegene City, aber da wir mal wieder sehr spät sind, ist hier absolut tote Hose, alle Geschäfte geschlossen und die Franzosen sind beim Mittagessen. Sehenswert ist die Pfarrkirche Eglise Saint-Jaques, deren Bau im 12.Jhdt. begonnen wurde.

Gruß an meinen Schwiegersohn

Gerade zurück beim Womo beginnt es wieder zu nieseln, deshalb fahren wir gleich zum nächsten SP in Trégastel. Der ist ziemlich leer und wir sind die einzigen Deutschen, das Meer ist gleich um die Ecke. Mittagspause. Später machen wir doch noch einen schönen Spaziergang. Es ist mal wieder Ebbe und das Meer ist weit weg. Die meisten Schiffe liegen im Trockenen.

Aber die bizarren Felsformationen aus rotem Granit sind wieder vom Feinsten!

Wir kommen noch an einer ehemaligen Mühle aus dem 14.Jhdt. vorbei, schon damals wurde die Kraft der gewaltigen Gezeiten genutzt.

14 OKTOBER 2022, 21:10

Wanderung zum Leuchtturm Mean Ruz in Ploumanac’h

Am Hafen entlang laufen wir nach Ploumanac’h.Viel ist hier nicht los, einige Restaurants sind geöffnet, aber es ist schon wieder fast 2 Uhr, da gibt’s nichts mehr. Und dann wird der Weg richtig schön, zahllose Felsformationen aus dem rosa Granit, teilweise an Fabelwesen erinnernd, teilweise wahllos durcheinander gewürfelt oder haarsträunbend absturzgefährdet. Der Fotoapparat glüht mal wieder.

Auch der Leuchtturm, natürlich geschlossen, ist aus dem rosa Granit.

In der daneben liegenden Villa wohnte einst der Erbauer des Eiffelturms. Wir machen eine kurze Pause und essen unsere mitgebrachten Nüsse, dann beenden wir die Runde und gehen zum Womo zurück.

Der ist wohl genau so hungrig wie wir

Und es beginnt mal wieder zu regnen, richtig Glück gehabt.

Der SP gefällt uns, wir bleiben. Gleich in der Nähe ist ein Supermarkt mit einer Brasserie, wo wir sehr gut gegessen haben.

Eingelegtes Rindfleisch mit Gemüse und Salat

Über den Strand laufen wir bei Ebbe bis zur Ile Renote, wieder so tolle Felsen…

und nach Tregastel. Aber auch hier.. nix Café, nix Bier, Nachsaison.

Trotz des schlechten Wetters gefällt es mir hier sehr gut. Und nicht nur mir, auch ein bekannter deutscher Schauspieler, Dieter Hallervorden, hat hier ein Refugium gefunden, das Chateau Costaérès auf einer Insel, könnte mir auch gefallen.

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Saint-Malo, Cap Fréhel und Fort Latte

2.Oktober

St. Coulomb, CP des Chevrets

Mein Knie meckert ziemlich nach der gestrigen anstrengenden Tour, deshalb verschieben wir die Stadtbesichtigung von Saint-Malo noch etwas. Stattdessen fahren wir nur wenige km weiter zum oben genannten CP, der sehr schön oberhalb eines wunderbaren Sandstrandes liegt. Wir finden eine große Parzelle mit Meerblick, heute kriegt mich hier keiner mehr weg. Das Wetter ist ohnehin nicht so toll wie angekündigt: ein sehr feiner, kaum sichtbarer aber trotzdem sehr nässender Nieselregen. Gegen Nachmittag hört es auf und wir können noch einen kleinen Strandspaziergang machen, ein Superstrand vom Feinsten. Es ist so warm, dass ich die Schuhe ausziehe und im immer noch recht warmen Wasser laufe.

Typisch Bretagne, am nächsten Tag ist das Wetter wie ausgewechselt, kein Wind, kein Regen und im Laufe des Tages immer mehr Sonne. Da Ebbe und Flut sehr ausgeprägt sind, sieht der Strand immer wieder anders aus. Bei Ebbe sieht man viele Felsen, auf denen man herrlich herumklettern kann, bei Flut sind sie überspült.


Mittags lädt Erich mich ins nicht gerade billige Strandrestaurant ein. Wir bestellen uns Lammbraten, sieben Stunden gegart, einfach nur lecker. Für mich gibt es noch einen riesigen Schokobecher, dann bin ich pappsatt.
Ein sehr schöner Tag mit sommerlichen Temperaturen im Oktober, glaubt man kaum.

04 OKTOBER 2022

Saint-Malo, Intra-Muros

Mal wieder ein Stadt- und Besichtigungstag. Wir fahren wenige km weiter zu einem SP, der eine direkte Busanbindung zur Altstadt Intra-Muros auf der Insel hat. Durch die Porte Saint-Vincent führt der Weg in die Altstadt, die komplett von einer riesigen Festungsmauer umgeben ist. Hier war früher das Reich der Korsaren, Seeräuber, die mit königlicher Lizenz ihr Unwesen treiben durften und dadurch sehr reich wurden.

Im 2.Weltkrieg haben sich hier die Deutschen verschanzt, als sie auf dem Rückweg waren. Die Stadt wurde zu 80% zerstört, aber es wurde fast alles originalgetreu wieder aufgebaut. Ich war zunächst etwas enttäuscht, denn in den Gassen finden sich alle üblichen Modeketten, Schuh- und Ledergeschäfte, Optiker etc., das übliche Sortiment. Daneben natürlich auch viele Touristengeschäfte und sehr viele Restaurants, Bars etc. Ich hatte es mir kleiner und enger vorgestellt.

Aber dann wird es spannender. Man kann die ganze Altstadt oben auf der Festungsmauer Les Remparts umrunden, mit herrlichem Blick auf den Hafen, die restliche Stadt und das Meer mit vorgelagerten Inseln.

An allen Ecken befinden sich mächtige Bastionen, teilweise läuft man auf Fensterhöhe der einstigen Residenzen der Reeder. Fast 2km ist dieser Rundweg lang, hat mir sehr gefallen.

Eine weitere Sehenswürdigkeit, die mich sehr interessiert, ist das Gezeitenkraftwerk, lange Zeit das größte der Welt (inzwischen hat Südkorea ein noch größeres). Der Fluss Rance hat eine breite Trichtermündung zum Meer.

Eine mächtige Mauer trennt den Fluss vom Meer und nur durch sechs Kammern rauscht das Wasser bei jeder Tide mit enormen Druck durch. Der Tidenhub beträgt hier etwa 8m. An einer Seite ist eine Schleuse für die Schiffahrt.

Wie ihr wisst, liebe ich Leuchttürme, Kaps am Ende der Welt und Steilküsten. Eines dieser Sehnsuchtsziele ist das Cap Frehel, eine Landzunge, die sich weit nach Norden streckt. Die Klippen, bestehend aus Sandstein und rosa Granit, sind bis zu 70m hoch.

Oben ist es relativ flach und es soll im Frühjahr ein Blumen- und Vogelparadies sein. Zwei Leuchttürme stehen nebeneinander, einer aus dem 17.Jhdt.und ein neuerer aus den 50ern. Den neuen kann man besteigen, die Aussicht ist sicher toll. Wir laufen erst einmal ganz zum Kap vor, keine gute Entscheidung: der Wind briest heftig auf und wir können zusehen, wie ein mächtiger Regenschauer immer näher kommt. Die Regenjacken liegen im Auto, trotzdem gehen wir weiter. Natürlich holt uns der Regen ein, sogar etwas Hagel ist dabei. Vorne am Kap ist noch ein Rundturm, hinter dem versuchen wir Schutz zu suchen, ist bei Rundtürmen leider etwas kompliziert…

Wir werden auf jeden Fall sehr nass, und als der Schauer durch ist, wollen wir nur noch zurück zum Womo. Der Aufstieg zum Leuchtturm muss noch auf uns warten.
In der Nähe gibt es einen Stellplatz, auf dem richten wir uns ein (am Kap darf man nicht übernachten).

06 OKTOBER 2022

Fort Latte und noch einmal Cap Fréhel

Jetzt aber…heute morgen knalleblauer Himmel, nach kalter Nacht. Viel zu schade zum Weiterfahren, deshalb kommen heute erstmals auf dieser Reise die Fahrräder raus. Wir fahren zunächst zum Fort Latte, eine der besterhaltenen Festungen und ein absoluter Tourispot hier in der Gegend. Ist aber wirklich sehenswert und jetzt in der Nebensaison ohnehin. Das Fort liegt am Ende einer Halbinsel, eine traumhafte Lage. Vom Turm hat man eine weite Rundumsicht.

Anschließend fahren wir noch mal zum Leuchtturm am äußeren Kap, das war ja gestern ein Reinfall. Aber heute…kein Vergleich! Noch blüht gelber Ginster, die Heideblüte ist ja leider schon vorbei. Den Leuchtturmaufstieg schenke ich mir, ich muss mein Knie schonen.

Unsere Fahrradrunde geht weiter auf einer herrlichen Aussichtsstrecke oberhalb des Meeres. Den Nachmittag verbringen wir relaxt vor dem Womo, das erste Mal auf dieser Reise kommen Tisch und Stühle raus.

07 OKTOBER 2022

Zu schön ist es hier, wir kommen nicht weiter. Gerade einmal 5km fahren wir heute auf einen CampingCar Platz, strandnah und mit Strom. Außerdem ist das Wetter phantastisch, Strandwetter, man könnte baden Nachmittags machen wir einen wunderschönen Strandspaziergang und sitzen lange in der Sonne.

Und wir bleiben noch einen weiteren Tag, immer noch ist der Himmel blitzeblau. Mittags gehen wir im Ort Essen, für Erich gibt es Moules frites und für mich eine sehr leckere Fischsuppe, zum Nachtisch Eis und Ile flottante.



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Dol-de-Bretagne und Cancale

29.September

Erst jetzt sind wir wirklich in der Bretagne angekommen, denn der Mont Saint- Michel gehört noch zur Normandie. Entscheidend ist der Grenzfluss Couesnon, der irgendwann sein Bett änderte und heute westlich des Berges fließt und somit gehört der Mont zur Normandie.

Da das Wetter noch sehr wechselhaft ist, verlängern wir unseren Aufenthalt auf dem Campingplatz und machen am Nachmittag einen Spaziergang entlang des Flusses.

In der Ferne sehen wir eine alte Mühle, deren Flügel sich drehen. Volltreffer: die Mühle ist geöffnet und kann besichtigt werden. Man kann hinauf steigen und sich die ganze Mechanik anschauen. Alles ist bestens revoviert und unten kann man hier gemahlenes Mehl kaufen.

Wir fahren am nächsten Tag weiter westwärts, die Küste entlang. Bereits nach gut 20km machen wir einen Stopp in Dol-de-Bretagne. Bereits im Jahre 530 gründete hier der Mönch Samson ein Kloster, später wurde die Kathedrale Saint-Samson gebaut, zunächst im romanischen Stil, später nach einem Brand im Jahre 1203 im gotisch-normannischen Stil.

Beeindruckend ist die Länge und Höhe der Kirche,

aber auch die Buntglasfenster und das Chorgestühl sind vom Feinsten, Dol war lange Zeit Bischofssitz.

Wir schlendern noch etwas durch die Altstadt, auch die Hauptstrasse hat ihren mittelalterlichen Charakter erhalten mit schönen Fachwerkhäusern, die bestens renoviert sind.

Ein Stückchen fahren weiter bis zum Pointe de Grouin, ich will mal wieder Mehrblick. Am Kap ist gerade Ebbe und an den Felswänden der gegenüber liegenden Insel kann man gut sehen, wie groß der Tidenhub ist, bis zu 14m!

1. Oktober

Wanderung nach Cancale

Direkt am heutigen CP (Meerblick!) am Pointe de Grouin kann man in den Wanderweg GR34, den Zöllnerweg, einsteigen.

Dieser Wanderweg zieht sich an der kompletten Küste der Bretagne entlang, wir werden immer wieder auf ihn stoßen. Heute wollen wir bis Cancale laufen, immer an der Steilküste entlang, zwischendurch steigt man in Buchten mit teilweise schönem Strand ab und anschließend wieder hinauf. Das macht den Weg anstrengend, aber auch sehr reizvoll, es geht buchstäblich über Stock und Stein.

Nach zwei Stunden erreichen wir Cancale, zum Mittagessen ist es mal wieder zu spät, in Frankreich wird pünktlich um 12.30 Uhr gegessen. Cancale ist die Hauptstadt der Austernfischerei, in der Bucht befinden sich Austernbänke von beachtlicher Größe, die bei Ebbe gut sichtbar sind.

Und am Hafen gibt es viele Austernstände, wo man sich einen Teller mit den begehrten Kostbarkeiten und ein Glas Wein dazu holen kann und es dann direkt auf der Hafenmauer verzehren kann.

Nur leider sind wir keine Austernfans, ich habe es zweimal probiert, ist einfach nicht mein Fall. So begnügen wir uns mit einer Galette, die aber sehr lecker belegt ist. Zurück fahren wir mit dem Bus, wir merken, dass wir was getan haben. Nicht zu vergessen: das Wetter war heute optimal, viel Sonne und ziemlich warm, geht doch!

(Fortsetzung folgt bald)

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Mont-Saint-Michel

Endlich werden die Etappen kürzer, nur noch gut 40km sind es bis zum ersten Highlight, auf das ich mich schon lange freue, der Mont-Saint-Michel. Aber erst einmal müssen wir wieder abwettern, der Regen holt uns immer wieder ein.

Am nächsten Morgen regnet es immer noch, aber gegen Mittag können wir endlich loslaufen, ein schöner Weg direkt am Kanal entlang, und schon von weitem sehen wir den Berg direkt vor uns.

Hier ist es flach wie in Ostfriesland, eine Polderlandschaft mit vielen Schafen. Nach gut 2km kommt man an die Bushaltestelle, wo der kostenlose Shuttlebus zur Insel startet.

Wir wollen aber lieber laufen, denn von der Brücke hat man einen sehr schönen Blick auf die Klosterinsel. Der Berg, ein kegelförmiges Gebilde aus Granit, ist wirklich sehr beeindruckend, da erhebt sich einfach ein riesiger Klotz direkt aus dem Wattenmeer.

Nach weiteren 3km haben wir die Insel erreicht, wir sind hier natürlich nicht alleine. In den engen Gassen des Dorfes geht es nur langsam voran, wie muss das erst im Sommer sein.

Und es beginnt mal wieder zu regnen. Wir finden einen Platz in einem Restaurant und für mich gibt es Moules frites in Calvadossauce, lecker. Und dann steigen wir hinauf. Auf halber Höhe ist der Ticketverkauf für das Kloster, davor eine laaange Schlange. Wir überlegen…aber wir haben schon so viele Klöster gesehen, muss nicht sein. Stattdessen gibt es einen sehr schönen Rundweg auf halber Höhe mit bester Aussicht und nicht so vielen Menschen.

Es ist gerade Ebbe und im Watt tummeln sich Heerscharen von Schülern, die wohl einen Ausflug machen.


Für den Rückweg hatten wir uns den Tranfer mit dem Shuttle vorgestellt. Aber es warteten so viele Menschen, dass wir wohl erst den 3.Bus bekommen hätten, und dann das Gedränge im Bus. Wir laufen wieder zurück und dann wieder am Kanal bis zum CP. Schließlich sind wir 12km gelaufen, 17000 Schritte zeigt mein Schrittzähler! Trotz des touristischen Massenbetriebs ein unvergessliches Erlebnis!

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Immer Richtung Westen…

Meistens fahren wir ja um diese Jahreszeit in den Süden. Dieses Jahr war jedoch der Sommer zuhause teilweise so unerträglich heiß, dass ich mich nach herbstlichen Farben, Wind und Wetter sehne. Deshalb mal eine andere Himmelsrichtung, immer gen Westen, im Idealfall bis in die Bretagne und an den Atlantik, schaun mer mal.

Unsere erste Etappe geht nach Freiburg, ok. etwas südlich, aber von uns aus schon ziemlich westlich. Wir stellen uns auf den neuen Stellplatz an der Messe, nicht sehr schön, aber zweckmäßig. Am Abend besuchen wir Ingmar und Patsy und genießen leckeres Essen vom Inder.

Die nächste Etappe ist sehr kurz, nur nach Breisach am Rhein. Das Wetter ist zu schön zum fahren, lieber genießen wir einen Spaziergang am Rhein und im Städtchen. Am Ufer liegen zwei große Hotelschiffe, wollen wir das? Definitiv nein, vielleicht wenn wir alt sind (haha).

Der direkte Weg nach Westen führt uns zunächst über den Rhein nach Frankreich, dann durch bzw. über die Vogesen. Warum nicht, da waren wir auch schon lange nicht mehr. Wir nehmen die Route über den Col de la Schlucht, immerhin fast 1100m hoch. Auf der Route des Crètes geht es noch etwas höher, wir wollen zur Auberge de la Ferme Brei….

Uns wurde empfohlen hier ein Käsefondue aus Munsterkäse zu essen, deshalb melde ich uns gleich für den Abend an. Und praktischerweise kann man gleich auf dem Parkplatz übernachten, tagsüber etwas laut, nachts aber sehr ruhig und dunkel. Zum Käsefondue gibt es noch eine Schinkenplatte und Salat, viel zu viel für uns, deshalb wandert der Schinken ins Womo und reicht uns noch zwei Tage. Alles sehr lecker.

Der erste Blick aus dem Fenster am nächsten Morgen zeigt uns…nichts! Dicker Nebel! Wo ist der See, den wir gestern noch gesehen haben? Und es beginnt auch noch zu regnen, bei 8 Grad nicht so gemütlich. Also fahren wir weiter, keine Wanderung.

Auf kleinen Straßen fahren wir über Gerardmer, Epinal, immer weiter nach Westen bis kurz vor Troyes. Heute muss es mal ein CP sein, an einem kleinen See, dem Lac l’Orient, werden wir fündig. Der See ist allerdings enttäuschend, er hat viel zu wenig Wassser nach diesem Sommer und das trockene Ufer ist steinig und schlammig. Also doch lieber die CP-Dusche.

Wir laufen noch ins Dorf Géraudot, aber hier ist am Samstag Abend völlig tote Hose, das einzige Restaurant ist geschlossen und der Champagner-Händler hat auch zu. Sagte ich bereits, dass wir am Rande der Champagne sind?

Ein Null- Kilometer-Tag am Sonntag wäre gut, aber nicht hier. Wie gestern fahren wir etwa 270km, teils Landstrassen, teils Autobahnen. Es läuft gut heute, keine LKWs unterwegs, trotzdem sind wir mit Pausen fast fünf Stunden unterwegs. Unser Etappenziel ist Meung-sur- Loire, ein kostenloser SP sehr nahe am Fluss. Wir erkunden den hübschen Ort, das altehrwürdige Schloss schauen wir uns nur von außen an. Lieber spazieren wir noch in der Sonne ein Stück am Ufer der Loire entlang und genießen ein Glas Wein/Bier in der Abendsonne.

Noch einmal eine relativ große Etappe. Und der Verkehr ist am Montag heftig, dazu Wind und teilweise Regen, es gibt schönere Fahrtage. Nach 100km Landstrasse ziehen wir es vor auf die Autobahn zu wechseln und kommen gegen 15.00 Uhr in Fougères an. Wir haben die Bretagne erreicht! Ab jetzt werden wir uns Zeit lassen. Fougéres hat eine riesige Burganlage oberhalb des Flusses mit einer bis zu 30m hohen Ringmauer und etlichen Wehrtürmen. Auf der anderen Seite des kleinen Flusses kommt man durch einen schönen Jardin Public (Park) in die Oberstadt mit toller Aussicht auf die Burg, zahlreichen Geschäften und Restaurants. Ein sehr angenehmes Städtchen.

(Hier sollen noch ein paar Bilder kommen bei besserem Internet)

Und dann soll der Urlaub richtig beginnen. Nur 40km sind es bis zum Mont Saint-Michel, auf den ich mich schon so lange freue. Wir checken auf einem CP ein und wollen am Nachmittag hinüber laufen. Der Regen macht uns dann aber einen Strich durch die Rechnung, erst nur etwas Nieselregen, der sich im Laufe des Nachmittags/Abends zum ergiebigen Dauerregen steigert. Macht nichts, eine Pause tut uns gut und morgen ist auch noch ein Tag.

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El Torcal im Nebel

11 APRIL 2022,

Seltsam, im Nebel zu wandern!

Einsam ist jeder Busch und Stein,

Kein Baum sieht den andern,

Jeder ist allein.

(Hermann Hesse)

So einsam waren wir heute nicht, aber die Stimmung im Nebel war schon eigenartig.

Der Naturpark El Torcal fasziniert mit seinen bizarren Felsformationen, Plattenschichten, aufgetürmten Felsen und Wackelsteinen.

Alles ist durch Erosion entstanden, da die einzelnen Steinschichten unterschiedliche Widerstandsfähigkeiten gegen Wind und Wasser aufweisen. Das Ganze ist ein riesiges Kalkplateau auf etwa 1200m Höhe, entsprechend kalt war es heute wieder. Da der obere Parkplatz schon wieder voll war, mussten wir drei km vorher parken, konnten dann aber mit einem Shuttlebus hinauf fahren. Wegen des Wetters wollten wir eigentlich nur die kleine Runde laufen, aber wir haben die Abzweigungg verpasst, so wurde es eine größere Runde, sehr lohnend.

Durch den Nebel wirkte alles noch viel mystischer, und zum Glück war es trocken. Da wir oben nicht übernachten wollten, sind wir noch einmal nach Antequera zum bekannten SP zurück gefahren, der heute leider viel voller war.

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Auf dem Caminito del Rey

Heute klappt es: der legendäre Königsweg wartet auf uns! Dies ist ein schmaler, abenteuerlich hoch über einem Fluss und durch eine Schlucht verlaufender Weg, der ursprünglich gebaut wurde als Versorgungsweg zwischen zwei Wasserkraftwerken. Lange Zeit verfiel dieser Weg und galt als der gefährlichste Kletterweg der Welt, bis er komplett gesperrt wurde.

Heute ist er restauriert, man läuft auf bequemen Holzbohlen, breit genug, nur Höhenangst sollte man nicht haben, denn immerhin geht man bis zu 100m über dem Abgrund, gut gesichert durch einen Zaun.

Unbedingt notwendig ist es, sich vorher Tickets zu besorgen, Wochen vorher! Haben wir natürlich nicht gemacht und waren erst mal sehr enttäuscht. Aber auf dem nahen Campingplatz wurde uns geholfen. Jeden Morgen werden etwa 50 Tickets frei vergeben, man muss aber um 9 Uhr am Eingang sein (40 Minuten Fußweg vom CP). Der Rezeptionist hat natürlich Beziehungen und so wurden für uns zwei Tickets hinterlegt und wir konnten gemütlich später kommen und die Schlange vermeiden. Am Beginn der Weges bekommt man Helme und Sicherheitseinweisungen, alle 10 Minuten wird eine Gruppe eingelassen, die sich dann schnell verteilt.

Insgesamt läuft man ca. 8km, die Nervenkitzelstrecke ist aber nur knapp 3km lang.

Am Ende wartet dann ein Bus, der uns zum Ausgangspunkt zurück fährt.

Ich bin sehr glücklich, dieses highlight erlebt zu haben. Und das Wetter hat auch gepasst, sonnig und nicht zu warm. Da wir gerade zur spanischen Mittagszeit zurück waren, sind wir gleich im nahen Restaurant El Mirador eingekehrt, ein perfekter Abschluss.

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Durch die Alpujarras (Sierra Nevada)

1.-3.April 2022

Die Alpujarras sind ein Gebirgszug am Südrand der Sierra Nevada mit Höhen zwischen 800 und 2000m. Wir starten diese Tour in Canjáyar, ein kleines hübsches Landstädtchen mit einem kleinen Stellplatz für fünf Womos.

Am nächsten Tag fahren wir über sehr kurvenreiche und schmale Straßen, ziemlich weit hinauf, bis nach Trevelez auf über 1400m Höhe.

Wir kommen der Schneegrenze bedenklich nahe, saukalt ist es hier.. Und deshalb haben wir nicht mal Lust durch den Ort zu gehen (und kaufen auch keinen Schinken, obwohl Trevelez die „Hauptstadt“ des Serrano-Schinkens ist). Wir waren allerdings schon einmal hier, vor 11 Jahren. Stattdessen quartieren wir uns auf dem CP ein, wo wir ganz alleine sind. So trostlos bei diesem Wetter! Die Berge sind weitgehend in Wolken, es könnte so schön sein…

Wir wollen raus auf dem Gebirge, es ist zu kalt. Obwohl mir die Landschaft, die „Alpujarra“, sehr gut gefällt. Die Straße ist mal wieder schmal und kurvenreich, aber auch gespickt mit schönen Aussichtspunkten. Wir halten noch einmal in einem kleinen Dorf, dort gibt es außerhalb einen Parkplatz und das Dorf ist autofrei.

Hier hat natürlich der Tourismus bereits Einzug gehalten, aber jetzt ist noch nicht viel los. Wir sind ja eigentlich schon auf der Route der „Weißen Dörfer“, aber zur Zeit sind sie aufgrund der Sahara-Regenfälle der letzten Tage alle ockerfarben, zumindest von einer Seite. Bei der Weiterfahrt wird es noch schlimmer: Verkehrszeichen sind fast nicht mehr zu lesen,

Orangenbäume mit einer dicken gelben Staubschicht überzogen. Wir sehen nur noch ockerfarben. Ob es jedes Jahr so schlimm ist?
Wir machen heute noch einen großen Satz, wollen bis Antequera, weil wir dann schon dicht am Caminito del Rey sind. Gegen 17 Uhr kommen wir an, aber der SP ist absolut voll. Wir parken erst in einer Längsbucht, aber direkt an der Straße, nicht gut. Dann entdecke ich um die Ecke vor einem Fußballstadion viele freie Parkplätze, und hier stehen auch schon etliche Womos. Wir ziehen sofort um und stehen jetzt wenigstens verkehrsberuhigt. Und dann beginnt es mal wieder zu regnen…

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Anstrengende Wanderung oberhalb des Flusses Andarax

2.April 2022

Wir fahren nach Laujar und parken bei einem nahegelegenen Erholungsgebiet mit vielen Grillstellen. Dort beginnt ein Wanderweg. Gleich zu Beginn geht es über Treppenstufen sehr steil nach oben, bis wir auf einen Weg stoßen, schmal und immer ab Abgrund, dafür gute Sicht ins Tal und in die Ferne. Und immer weiter bergauf, bis auf ca. 1160m.

Nach etwa 6km erreichen wir die Stelle, an der der Fluss Andarax überquert wird und wir auf der anderen Flussseite zurück laufen können. Ein weißrotes Flatterband versperrt uns den Weg, auf einem Schild steht irgendetwas wegen Regen. Wir deuten es so, dass man bei Regen hier nicht laufen soll. Die kleine Holzbrücke über den Fluss hat schon bessere Tage gesehen, etliche Bretter sind gebrochen und sie ist ganz schief. Zum Glück gibt es ein Halteseil und so können wir uns vorsichtig hinüberhangeln, puhh.

Gleich danach muss man einen kleinen Felsen hinauf klettern, ist aber bestens mit Seilen gesichert.

Und dann wird es interessant. Wir steigen hinauf zu einem alten Wasserkanal, an dem bzw. in dem wir jetzt lange entlang laufen.

Zweimal müssen wir durch einen Tunnel, zum Glück haben wir eine Taschenlampe dabei.

Zum Schluss dann noch ein sehr anstrengender Abstieg, der ordentlich in die Knie geht. Nach 11km und 4,5 Stunden sind wir wieder am Womo, müde, erschöpft, aber so glücklich.
Wir fahren noch etwa 20km zu einem SP in Ugijar, nur 4 Plätze, aber wir sind ganz allein, und dazu noch kostenlos.

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